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Finanztransaktionssteuer – Geteiltes Echo auf die neue Steuer

Finanztransaktionssteuer – Geteiltes Echo auf die neue Steuer

Die in mehreren Bundestagsanträgen geforderte Einführung einer Finanztransaktionssteuer ist unter Fachleuten heftig umstritten. Auch über die von der Bundesregierung erwogene „Bankenabgabe“ gaben die Fachleute völlig unterschiedliche Urteile ab.

Am 1.7.5.2010 fand dazu eine Anhörung des Finanzausschusses statt.

So erklärte Professor Christoph Kaserer (TU München) zu den verschiedenen Anträgen der SPD-Fraktion, der Linksfraktion und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (17/527, 17/518, 17/471, 17/1422), in denen die Einführung einer Transaktionssteuer gefordert wird, er lehne diese Steuer ab, da sie die Preisbildungseffizienzen der Märkte reduzieren würde. Die Ausweichaktivitäten seien nicht unter Kontrolle zu bringen. Die immer wieder als Vorbild angeführte Schweizer und die britische Stempelsteuer seien wegen ihrer Ausnahmen „löchriger als ein Schweizer Käse“. Die Einführung einer solchen Steuer sei „ein Experiment mit äußerst ungewissem Ausgang“.

Die Deutsche Bundesbank teilte mit, die Steuer sei grundsätzlich geeignet, Transaktionen zu verteuern und damit deren Häufigkeit zu reduzieren. Es seien jedoch nicht nur spekulative Geschäfte, sondern auch Anlagen von Versicherungen und Investmentfonds betroffen. Falls eine globale Umsetzung nicht gelinge, sei von Ausweichreaktionen der Marktteilnehmer auszugehen. Die „Gruppe Deutsche Börse“ ergänzte in diesem Zusammenhang, die Steuer würde Anreize schaffen, noch stärker als bisher in die Nischen auszuweichen, die von der Steuer nicht erfasst seien.

Beatrice di Mauro, Mitglied des Sachverständigenrates, erklärte, Ziele der Steuer seien das Erzielen von Einnahmen und die Verhinderung gesellschaftlich unerwünschten Verhaltens. Für beide Ziele sei die Steuer jedoch wenig geeignet. Sie sprach sich für die Einführung einer „Stabilitätsabgabe“ auf systemische Risiken aus. Die Deutsche Bank Research sah die Bankenabgabe hingegen als das geeignetere Mittel an. Damit werde Kapital geschaffen, um die Abwicklung systemischer Institute zu ermöglichen. Der Bankenverband zeigte ebenfalls Sympathien für die Bankenabgabe. Der Verband der Pfandbriefbanken sah erhebliche Probleme bei der Finanztransaktionssteuer.

Dagegen bezeichnete Marit Schratzensteller-Altzinger vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschungen die Finanztransaktionssteuer als „unseren Favoriten“. Bei einem Steuersatz von 0,01 % je Transaktion werde sie europaweit 80 Mrd. € einbringen, davon in Deutschland 12 Mrd. €. Die Steuer habe ein viel höheres Aufkommen als die von der Bundesregierung erwogene Bankenabgabe und habe Stabilisierungswirkungen gegen die kurzfristige Spekulation, was die Bankenabgabe nicht habe. Bei der Bankenabgabe sah Schratzensteller-Altzinger das Problem, dass sie wegen ihrer Versicherungswirkung (das Aufkommen soll in einen Fonds zur Bewältigung künftiger Krisen fließen) die Risikobereitschaft der Banken sogar noch erhöhe.

Auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband sowie der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken befürworteten die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Eine Bankenabgabe werde sie als Kreditgeber des Mittelstands stärker treffen als die Finanztransaktionssteuer, betonten sie. Auch Professor Max Otte (Fachhochschule Worms) wies auf die Belastung der Sparkassen und Genossenschaftsbanken durch die Bankenabgabe hin. Dagegen habe die Finanztransaktionsteuer die gewünschte Lenkungswirkung. Je langfristiger angelegt werde, desto geringer falle die Belastung aus, sagte Otte.

Professor Rudolf Hickel (Universität Bremen) wies Befürchtungen zurück, Kleinsparer könnten durch eine Finanztransaktionsteuer übermäßig belastet werden. Es gehe allein darum, die kurzfristige Spekulation durch die Steuer zu verteuern. Die Bankenabgabe lehnte Hickel mit dem Hinweis ab, sie bestrafe genau diejenigen Institute, die sich in der letzten Krise ordentlich verhalten hätten.

Die österreichische Wirtschaftskammer bezeichnete die Finanztransaktionssteuer als fair, weil sie langfristiges Investment schone und kurzfristiges belaste. Wichtig sei auch, mit den Erträgen die Haushalte zu sanieren. „Wir sind doch alle in Richtung Griechenland unterwegs – mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten“, sagte ein Sprecher der Kammer in der Anhörung. Der österreichische Finanzstaatssekretär Andreas Schieder erklärte, ein Signal des Bundestages für die Steuer könnte „den Durchbruch in dieser wichtigen Frage bedeuten“.

Ganz anders argumentierte Professor Roland Vaubel (Universität Mannheim). Eine Steuer auf Transaktionen dämpfe nicht die spekulativen Kursausschläge, sondern verhindere Transaktionen, die Käufer und Verkäufer besser stellten. Damit sei außer dem Fiskus niemandem gedient. „Spekulation ist eine volkswirtschaftlich nützliche Tätigkeit“, schrieb Vaubel, der eine Bankenabgabe als Versicherungslösung begrüßte, in seiner Stellungnahme.

Quelle: hib – heute im bundestag Nr. 155 v. 17.5.2010

Wie tagesschau.de berichtet, haben sich auch die Finanzminister der Euro-Zone über eine neue Steuer auf Finanztransaktionen beraten. Keines der Euro-Länder scheint sich dem Gedanken der neuen Steuer, die Spekulationsgeschäfte eindämmen und die Finanzkonzerne an den Kosten der Krise zu beteiligen soll, zu verschließen. An dem Thema soll weiter gearbeitet werden.

Quelle: Tagesschau.de v. 18.5.2010, „Euro-Länder offen für Transaktionssteuer“



Finanzmarktsteuer Modelle im Vergleich

Finanzmarktsteuer: Modelle im Vergleich

Die internationalen Finanzmärkte sollen mit einer Finanzmarktsteuer an den Kosten der Krise beteiligt werden. Mögliche Modelle werden jetzt mit der Finanztransaktionssteuer und der Finanzaktivitätssteuer diskutiert.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise sowie die Stabilisierung des Euro haben die öffentlichen Haushalte stark belastet und erhebliche Kosten verursacht. Für die Bundesregierung steht fest, dass auch die Finanzmärkte an der Bewältigung der Krise beteiligt werden sollen. Zu diesem Zweck wird sich die Bundesregierung für die Einführung einer internationalen Finanzmarktsteuer einsetzen. Die genaue Ausgestaltung ist noch offen. Diskutiert werden verschiedene Formen der Finanztransaktionssteuer sowie der Finanzaktivitätssteuer, die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) vorgeschlagen wurde.

Als Polster für zukünftige Krisen eine soll Bankenabgabe geschaffen werden. Zusätzlich soll durch eine Finanzmarktsteuer ein weiteres Instrument geschaffen werden, das zur Kostendeckung in der derzeitigen Krise beiträgt und gleichzeitig risikoreiche Spekulationsgeschäfte eindämmt.

Option 1: Die Finanztransaktionssteuer

Eine Finanztransaktionssteuer könnte die Besteuerung des gesamten Handels an organisierten Börsen beinhalten also Devisen, Aktien und Anleihen sowie den Handel mit Derivaten. Eine zentrale Idee ist, die Besteuerung gering zu halten. Gängige Vorschläge zur Höhe des Steuersatzes gehen von 0,01 % bis 0,1 % des jeweiligen Kurswertes aus. Zusätzlich ist eine Besteuerung nach Risikogehalt des Geschäftes denkbar.

Bei einem Steuersatz von 0,01 % in Deutschland würde sie – nach Schätzungen des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung – zu einem Einnahmenplus von bis zu 11 Mrd. € führen.

Option 2: Die Finanzaktivitätssteuer

Die Einführung einer Finanzaktivitätssteuer geht auf einen Vorschlag des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurück. Die Bemessungsgrundlage für eine Finanzaktivitätssteuer wären Gewinne und Gehaltssummen der Banken.

Eine Finanzaktivitätssteuer würde nur relativ geringe Verzerrungen hervorrufen. Die Chancen für eine Einführung auf internationaler Ebene könnten relativ hoch sein, da die Finanzaktivitätssteuer auf einen Vorschlag des IWF zurückgeht.

Sowohl die Finanztransaktionssteuer wie auch die Finanzaktivitätssteuer sind als ergänzende Instrumente zur beschlossenen Bankenabgabe denkbar. Ein wesentlicher Punkt bei der Entscheidung für eines der dargestellten Modelle ist die politische Durchsetzbarkeit auf europäischer bzw. internationaler Ebene.

Quelle: Bundesfinanzministerium v. 27.5.2010



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